Donnerstag, 15. September 2016

Filmkritik: Pets (2016)

Was machen Haustiere, wenn ihre Herrchen und Frauchen nicht zu Hause sind? Diese Frage beantwortet der neuste Film aus dem Hause Illumination Entertainment und ist schon jetzt eine der erfolgreichsten Produktionen des Jahres. Ist hier ein neuer Klassiker des Animationsfilms entstanden oder handelt es sich vielmehr um eine unterhaltsame Eintagsfliege?

Max ist ein glücklicher Hund. Der Jack Russel Terrier lebt mit seiner Besitzerin Katie in New York und kann sich kein besseres Leben vorstellen als das an der Seite seines Frauchens. Doch als Katie plötzlich mit einem zweiten Hund, dem Mischling Duke, nach Hause kommt, wird Max eifersüchtig und versucht, den Neuankömmling loszuwerden. Der Konflikt zwischen den Haustieren eskaliert und bringt die beiden Hunde weit weg von zu Hause. Um wieder zurückzufinden bleibt den Streithähnen nichts anderes übrig, als von nun an zusammenzuarbeiten …

Die Idee hinter Pets ist keineswegs neu. So erzählte der erste abendfüllende Computeranimationsfilm Toy Story (1995) bereits vor 20 Jahren eine sehr ähnliche Geschichte, in der nicht Haustiere, sondern Spielzeuge in Abwesenheit ihrer Besitzer Abenteuer erleben. Auch im Pixar-Klassiker muss die Hauptfigur lernen, in einer Gefahrensituation die Eifersucht auf einen Neuankömmling zu überwinden, damit beide wieder nach Hause kommen können. Toy Story bleibt dabei der Grundidee bis zuletzt treu: Der Bösewicht der Geschichte ist ein Nachbarsjunge, der seine Spielsachen kaputt macht und an Feuerwerkskörper bindet, ein Schicksal, das viele Spielzeuge in unserer Wirklichkeit mit den Charakteren des Animationsfilms teilen.

Co-Regisseur Chris Renaud
Auch im ersten Viertel von Pets überspitzen die Regisseure Chris Renaud und Yarrow Cheney noch viele Wahrheiten über das Verhalten von Haustieren und vor allem die unterschiedlichen Persönlichkeiten von Hunden und Katzen werden sehr treffend charakterisiert. Im weiteren Verlauf wandelt sich die Geschichte jedoch zu einem recht austauschbaren Action-Abenteuer mit einem bösartigen Schneehasen als Antagonisten, der von seinen Besitzern ausgesetzt wurde und nun davon träumt, die Menschheit zu versklaven. Spätestens, wenn die Tiere sich hinter das Steuer eines Busses klemmen, um sich eine Verfolgungsjagd auf der Brooklyn Bridge zu liefern, hat der Film nicht mehr viel mit dem Leben wirklicher Haustiere zu tun. Dass Pets trotzdem funktioniert, liegt vor allem an seiner Rasanz. Eine Action-Szene jagt die nächste und ein wahres Feuerwerk an Slapstick-Gags und One-Linern wird abgebrannt, sodass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Auch die beeindruckenden Animationen und die gut ausgewählten Synchronsprecher (sowohl in der originalen, als auch in der deutschen Fassung) sorgen für ein insgesamt unterhaltsames Filmerlebnis.

Andererseits hat der Film jedoch weder die emotionale Tiefe noch den Einfallsreichtum zu bieten, die man beispielsweise bei den besten Pixar-Filmen geboten bekommt. Eltern, denen es wichtig ist, dass ein Kinderfilm nicht nur unterhält, sondern auch einen Beitrag zur emotionalen Entwicklung von Kindern leistet (wie Kritiker es zum Beispiel dem Oscar-Gewinner Alles steht Kopf [2015] attestierten), sind hier also buchstäblich im falschen Film. Aus pädagogischer Sicht positiv zu bewerten ist jedoch, dass in Pets auch die scheinbaren Bösewichte im Laufe der Geschichte ihre guten Seiten zeigen und Kinder so lernen können, dass der erste Eindruck, den man von anderen Menschen hat, oft täuscht.

Trotz einer FSK-Freigabe ohne Altersbeschränkung könnte der Film aufgrund seiner rasanten Erzählweise für jüngere Kinder überfordernd sein und ist daher meiner Ansicht nach eher ab einem Alter von 8 Jahren geeignet. Wegen seiner recht hohen Schnittfrequenz sollte außerdem die 2D-Fassung vorgezogen werden.

Insgesamt liefert Pets unterhaltsames Popcornkino, um einen verregneten Samstag zu verbringen, aber ist weder einfallsreich noch emotional involvierend genug, um in den Olymp der besten Animationsfilme aller Zeiten aufsteigen zu können.

Urheber des Fotos von Chris Renaud ist Boungawa. Es steht unter der Creative-Commons Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).