Dienstag, 29. April 2014

Filmkritik: Planet der Affen: Prevolution (2011)

Als Tim Burton 2001 versuchte, das fast 30 Jahre lang ruhende Franchise rund um den Planet der Affen wiederzubeleben, kam das Ergebnis weder beim Publikum noch bei den Kritikern besonders gut an. 2011 wagte Rupert Wyatt einen neuen Anlauf – Planet der Affen: Prevolution ist sowohl Prequel als auch Reboot der erfolgreichen Filmreihe.

Wenn Filme einen Twist haben, dann gehört es sich nicht, diesen im Vorhinein zu erzählen. Schließlich will man niemandem das Erlebnis nehmen, wenn im Kinosessel oder vor dem Bildschirm vor Überraschung die Kinnlade runterfällt. Doch es gibt Klassiker, bei denen die überraschende Wendung so bekannt ist, dass man eine Ausnahme machen kann. So wissen selbst Menschen, die Das Imperium schlägt zurück noch nie gesehen haben, dass Darth Vader Luke Skywalkers Vater ist und auch, dass das Leben der Protagonistin in Psycho in der Dusche eines Motels ein grausames Ende findet, ist in die Filmgeschichte eingegangen.
Beim Science-Fiction-Klassiker Planet der Affen geht es sogar so weit, dass der Plot-Twist auf vielen Covern der mannigfachen DVD- und BluRay-Veröffentlichungen abgedruckt ist: Die zerstörte Freiheitsstatue, die dem Astronauten George Taylor in der letzten Szene des Filmes vor Augen führt, dass er sich nach einer Bruchlandung nicht auf einem fremden Planeten, sondern auf der Erde befindet, die nach einem Atomkrieg zerstört wurde. Da diese Wendung so bekannt ist, ist auch die Entscheidung nachvollziehbar, ein Prequel zu drehen, das diesen Twist als Ausgangspunkt nimmt: Wie ist es zu erklären, dass die Menschen in Folge des Atomkriegs ihre Sprache verloren haben, die Affen hingegen aber eine hohe Intelligenz entwickelten?

James Franco (2011)
Um eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen, haben sich die Drehbuchautoren Rick Jaffa und Amanda Silver entschieden, einige Änderungen gegenüber dem Originalfilm und seinen Fortsetzungen vorzunehmen. In unserer Gegenwart entwickelt der Wissenschaftler Will Rodman (James Franco) eine Gentherapie, um Alzheimer zu heilen. Bei Versuchen an Affen stellt sich heraus, dass der Virus ALZ-112 ist in der Lage ist, die degenerierten Hirnzellen der Patienten wiederherzustellen. Nach einem Zwischenfall im Labor wird das Projekt jedoch eingestellt und alle Affen eingeschläfert. Rodman entschließt sich, das Neugeborene einer Schimpansin bei sich zuhause aufzunehmen. Das Affenjunge Caesar hat jedoch offenbar den Virus von seiner Mutter geerbt und entwickelt daraufhin eine übernatürliche Intelligenz. Rodman hält das Tier auf seinem Dachboden versteckt, doch es fällt Caesar immer schwerer, sich mit seiner Gefangenschaft abzufinden. Nach einem Gewaltausbruch wird Caesar in ein Tierheim für Primaten gebracht, wo er und seine Artgenossen erniedrigt und misshandelt werden. Bald entwickelt Caesar den Wunsch, sich gegen die Unterdrückung seiner Rasse aufzulehnen …

Andy Serkis (2011)
Ein häufiges Problem von Sequels ist die Spannung: Da bereits bekannt ist, wie die Geschichte enden wird, kann das Interesse des Zuschauers nur durch die Frage gefesselt werden, auf welchem Wege dieses Ende erreicht wird. In diesem Fall besteht ein Vorteil darin, dass zwar bekannt ist, dass die Affen letztendlich über die Menschen herrschen werden, aber Rodman und Caesar nicht zwangsläufig den Endpunkt dieser Geschichte miterleben müssen. Während also Bilbo in Der Hobbit gewissermaßen unsterblich ist, da er in Der Herr der Ringe noch lebt, kommen hier die Protagonisten in „echte“ Lebensgefahr. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass die in diesem Film erzählte Geschichte kein Happy End für die Menschen hat. Daher ist es sinnvoll, eine Identifikation mit Caesar aufzubauen, auch wenn dieser letztendlich zum Gegner der Menschen werden wird. Dies gelingt den Filmemachern ausgesprochen gut: Das vollständig am Computer entstandene Wesen wurde durch Motion Capturing von Andy Serkis gespielt und auch wenn die animierten Tiere nicht ganz so glaubwürdig sind wie in dem ein Jahr später erschienenen Life of Pi, fällt es einem doch ausgesprochen leicht, mit dem Schimpansen mitzufühlen.

Eine der moralischen Fragen, die durch den Originalfilm aufgeworfen wurden, betrifft die Tierhaltung. George Taylor wird von den Affen wie ein Tier in einem Käfig gehalten, das sie sich als höher gestellte Wesen betrachten – eine geschickte Umkehrung der realen Verhältnisse unserer Gegenwart. Planet der Affen: Prevolution widmet sich vor allem in der ersten Hälfte ausgiebig diesem Thema. Caesar ist so intelligent, dass es wie eine Menschenrechtsverletzung erscheint, ihn an einer Leine zu führen. Wenn er sich schließlich zusammen mit den anderen Affen im Tierheim befindet, wird jedoch schnell deutlich, dass es sich auch bei den nicht behandelten Affen um intelligente Wesen mit Persönlichkeit handelt, was eine deutliche Kritik an unserem Umgang mit diesen Tieren darstellt. Jedoch bewegt sich die dargestellte Intelligenz eines Orang-Utans in diesen Szenen etwas über die Grenze der Glaubwürdigkeit hinaus.

In der zweiten Hälfte des Films dominiert dann jedoch eher die Action und die philosophische Ebene der Geschichte wird nicht weiter verfolgt. Während die beiden gewaltsamen Zwischenfälle zu Beginn gerade durch ihre geringen Ausmaße sehr spannend sind, da sie eine mögliche Eskalation nur andeuten, ist die tatsächliche Revolte der Primaten dann leider eher enttäuschend. Auch ein paar Unglaubwürdigkeiten vermindern etwas den Spaß, so dass sich dieser Film insgesamt in die Reihe der Werke einreiht, die es nicht schaffen, ihr Niveau bis zum Schluss zu halten. Dennoch ist Planet der Affen: Prevolution insgesamt ein gelungener Genrefilm der mit seinen vielen Anspielungen insgesondere für Fans der usprünglichen Reihe zu empfehlen ist. Denn während auf der Erde die Affen los sind, macht sich im All ein Raumschiff der NASA auf den Weg zu einem anderen Planeten... oder etwa doch nicht?

Am 14. August 2014 soll mit Planet der Affen: Revolution die Fortsetzung erscheinen. Wir dürfen gespannt sein, ob der neue Regisseur Matt Reeves (Cloverfield) auch die moralische Ebene der Geschichte weiterverfolgen wird.

Das Foto von James Franco stammt von Vanessa Lua. Das Foto von Andy Serkis stammt von Gerald Geronimo. Beide stehen unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).